08.06.2010

Leistenkrokodile reiten auf Strömungen durch den Ozean -


Crocodiles ride ocean currents to travel the high seas

Leistenkrokodile (auch Salzwasserkrokodile oder Saltie genannt) nutzen Meeresströmungen aus, um große Distanzen zurückzulegen. Das hat eine australische Forschergruppe um Dr. Hamish Campbell herausgefunden, indem sie die Wanderungen von 27 Krokodilen mittels Sonarsendern über einen Zeitraum von 12 Monaten verfolgten. Die Reptilien begannen ihre Reise beim Gezeitenwechsel, wenn sie mit der Strömung schwimmen konnten und pausierten, sobald sich die Gezeiten zu ihren Ungunsten änderten. Dieses Verhalten würde auch erklären, wie sich die eigentlich schwimmfaulen Krokodile von Ostindien bis Australien ausbreiten konnten, berichten die Wissenschaftler von der University of Queensland in Brisbane.


Leistenkrokodil (Crocodylus porosus) liegen meist
bewegungslos in der Sonne. Doch was nach Faulheit aus-
sieht, ist pure Effizienz einer langen Evolutionsgeschichte
der Krokodile (Ordnung: Crocodilia). Bevorzugter
Lebensraum des Leistenkrokodils sind Flussmündungen und
Mangrovensümpfe. Foto: © Ralf Theuer, 2007
Salzwasserkrokodile (Crocodylus porosus) sind nicht gerade als die besten Langstreckenschwimmer bekannt. Die bis zu sieben Meter langen Reptilien halten sich lieber in Mangrovensümpfen und Flussmündungen auf. Dennoch umfasst ihr Verbreitungsgebiet eine Fläche von zehntausend Quadratkilometern von Ostindien bis zu den Fidschi-Inseln, von Südchina bis Australien sowie im Süd-Pazifik. Doch wie konnten sich die Schwimm-Muffel über ein dermaßen großes Gebiet ausbreiten? Zwar wurden bereits viele Exemplare Hunderte von Kilometern vom Festland entfernt auf offener See gesichtet, doch gelöst wurde das Rätsel erst jetzt von Hamish Campbell und seinen Kollegen.

Die Wissenschaftler benutzten akustische Peilsender und Satellitenortungssysteme, um ein Jahr lang jede Bewegung der 27 erwachsenen Individuen zu studieren. Mit erstaunlichen Ergebnissen: Sowohl Männchen als auch Weibchen unternahmen regelmäßig weite Reisen, teilweise bewegten sie sich bis zu 50 Kilometer vom Festland entfernt auf dem offenen Meer. Den Beginn ihrer Reise machten die Krokodile dabei von den Gezeiten und den Meeresströmungen abhängig: Sie legten sich so lange auf die Lauer, bis die Strömungen günstig waren – und machten Rast am Ufer von Küsten und Inseln, sobald die Gezeiten wechselten.

Einige Krokodile unternahmen sogar noch viel längere Reisen. Ein 3,84 Meter großes Männchen ließ sich von den Meeresströmungen über eine Strecke von 590 Kilometern treiben – in 25 Tagen. Dabei war die Reise perfekt abgestimmt mit dem saisonabhängigen Auftreten von Strömungen im Golf vom Carpentaria in Nord-Australien. Ein anderes 4,84 Meter langes weibliches Krokodil legte in 20 Tagen 411 Kilometer zurück und wartete unterwegs vier Tage, bis die Gezeiten wieder wechselten und es die Reise fortsetzen konnte. Das Tier wanderte so von der Kap-York-Halbinsel an der Ostküste durch die Straße von Torres (Torres Strait) zum Wenlock-Fluss (Wenlock river) an der Westküste von Kap-York. „Krokodile können über einen langen Zeitraum ohne Nahrung im Salzwasser überleben, daher können sie es sich erlauben, nur zu reisen, wenn die Gezeiten günstig sind“, erklärt Campbell. Dies würde nicht nur erklären, auf welche Weise die Krokodile zwischen den Inseln des Pazifiks umherreisen, sondern auch, warum sie sich so weit ausbreiten konnten.

Quelle: The University of Queensland (Australien): uq.edu.au/news