21.01.2010

Tauchausrüstung für Tiger?

Studie: Tiger der Sundarbans durch Wilderei, Waldrodung und Klimawandel bedroht



Foto/Photo: © Dieter Gutmann; Panthera tigris tigris - Bengal-Tiger oder Indischer Tiger genannt
Ein "Bengal-Tiger" (Panthera tigris tigris) oder "Indischer Tiger" genannt.
© Dieter Gutmann
Berlin - Eine der größten Tiger-Populationen der Welt könnte bis zum Ende des Jahrhunderts ausgestorben sein. Ihr Lebensraum, die Mangrovenwälder an der Küste von Bangladesch, ist nach den Ergebnissen einer vom WWF geleiteten Studie durch den vom Klimawandel verursachten Anstieg des Meeresspiegels bedroht.

Wenn wir die Auswirkungen des Klimawandels nicht in den Griff bekommen, werden die Tiger in den Sundarbans nur mit Tauchausrüstung überleben können“, erklärt WWF-Tigerexperte Volker Homes. Auch wenn Tiger sowohl in den im Winter schneereichen Wäldern Russlands als auch im tropischen Regenwald überleben können. „Der von Wissenschaftlern prognostizierte Anstieg des Meeresspiegels würde die Anpassungsfähigkeit des Tigers mit sehr großer Wahrscheinlichkeit überstrapazieren“, so Homes.

Wenn nicht sofort Schutzmaßnahmen ergriffen werden, könnten die Mangroven-Wälder mit all ihren Naturschätzen, die Millionen Menschen ernähren, innerhalb der nächsten 50 bis 90 Jahre untergehen, so das Ergebnis der Studie, die im "Climatic Change" Journal erschienen ist. Ein Anstieg des Meeresspiegels um 28 cm über den Stand des Jahres 2000 würde 96 Prozent des Tiger-Lebensraumes zerstören und die Population auf wenige Exemplare minimieren.

Tiger sind weltweit bereits durch Wilderei und die Abholzung der Wälder bedroht. Ihr Verbreitungsgebiet ist im letzten Jahrzehnt um 40 Prozent geschrumpft. „Tiger werden für ihr Fell gejagt, ihre Knochen werden illegal für die traditionelle asiatische Medizin genutzt und jetzt werden sie auch noch von den Auswirkungen des Klimawandels bedroht“, so Homes. „Wir befürchten, dass diese Vielzahl an Bedrohungen die majestätische Raubkatze an den Rand des Aussterbens bringen wird.

Die Sundarbans sind die größten, zusammenhängenden Mangrovenwälder der Erde. Das UNESCO Weltnaturerbe verläuft entlang der Mündung des Ganges in Indien und Bangladesch. Sie sind nicht nur die Heimat für rund 200 Tiger, sondern auch für zahlreiche Arten von Reptilien, Fischen, Vögeln und Säugetieren.

Nach dem chinesischen Kalender beginnt am 14. Februar 2010 das „Jahr des Tigers“. Weltweit gibt es nur noch rund 3200 Tiger in der Wildnis. Die Umweltschutzorganisation hat sich das Ziel gesetzt, die Bestandszahl des Tigers in seinen wichtigsten Verbreitungsregionen bis zum Jahr 2022 zu verdoppeln. wwf.de


Predicted tiger habitat loss in the Bangladeshi Sundarbans under increasing sea levels. Sea level is shown for eight elevations (year 2000 is baseline). The land area that lies above the predicted sea level is shown in green. SLR impacts are only shown for the Sundarbans, and not the surrounding land area (In:Loucks C., et al., 2009).

Prognostiziert Tigerlebensraumverlust in den bangalischen Sundarbans, die zunehmend unter dem ansteigenden Meeresspiegel versinken. Der Meeresspiegel wird in acht höhen Lagen gezeigt (Ausgangswert ist das Jahr 2000). Die Fläche, die über dem prognostizierten Meeresspiegel liegt, ist grün markiert. SLR-Auswirkungen (Meeresspiegelanstieg) werden nur für die Sundarbans gezeigt, und nicht für die umgebende Fläche (In:Loucks C., et al., 2009).

Das Dramatische daran ist, es sind nicht nur die Tiger davon betroffen, es betrifft die gesamte Fauna und Flora dieser Region.