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1. Schlammspringer (Oxudercinae)
Auf sehr unterschiedlichen evolutionären Pfaden, in zwei voneinander unabhängigen Entwicklungslinien,
haben sich Schlammspringer und Menschen entwickelt. Nach einer relativ weitverbreiteten Ansicht
sollen sich unsere semi-aquatischen Vorfahren und die heutigen Schlammspringer ähneln.
Heutzutage weitgehend akzeptierte stammesgeschichtliche Darstellungen gehen davon aus, dass unser
letzter gemeinsamer Vorfahre während des Silur, vor mehr als 400 Millionen Jahren, gelebt hat.
Während jenes Erdzeitalters entstanden aus den Frühformen der Knochenfische (Osteichthyes) zwei
separate Linien: Fleischflosser (Sarcopterygii), nach Clack auch als “Wirbeltiere mit fleischigen
Gliedern” bezeichnet
(Clack, 2002a),
und die Strahlenflosser (Actinopterygii), deren Flossen Stachelstrahlen aufweisen.
Hier
ein Video (How Evolution Happens) das veranschaulichen soll, wie sich das Leben im Devon nach dem
„Zeitalter der Fische“ vor 400 Millionen Jahre auf das Land ausgebreitet hat. Der Videoclip geht
sicher nicht auf jede Einzelheit der Entwicklung vom Fisch zum Landwirbeltier ein, dennoch gewährt
er eine grobe Vorstellung darüber, wie es sich abgespielt haben kann.
Der erste Landgang der Pflanzen fand vor ca. 480-460 Millionen Jahren statt. Dies gilt unter
Wissenschaftlern als allgemein akzeptiert und anhand von vielen Fossilienfunden als gut dokumentiert.
Eine der ersten an das Landleben gut angepasst Pflanze war vor 400 Millionen Jahren Rhynia
gwynne-vaughanii, sie war im unteren Devon weltweit verbreitet
(Wilhelm, 1986).
Zu dieser Zeit soll es keine Landtiere gegeben haben, dagegen lassen sich Insekten (Insecta) zum
ersten Mal ebenfalls im Devon vor 400 Millionen Jahren nachweisen. Sie stellen die artenreichste
Klasse der Gliederfüßer (Arthropoda) dar.
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Während aus den Strahlenflossern (Actinopterygii) die große Anzahl der heutigen Fische entstanden
ist, was die Schlammspringer mit einschließt, entwickelten sich aus den Fleischflossern
(Sarcopterygii), selten auch Muskelflosser genannt, die ersten Landwirbeltiere (Tetrapoda), die
Vierbeiner, einschließlich des Menschen.
Die ursprünglich maritim lebenden Fleischflosser waren weltweit verbreitet und verschiedene
Untergruppen besiedelten räumlich unabhängig voneinander das Süßwasser. Anhand von vielen Fossilien
gilt das heute als bewiesen.
Nur vier Gattungen der Fleischflosser existieren heute noch, darunter die Lungenfische (Dipnoi)
(drei Gattungen: Lepidosiren, Neoceratodus, Protopterus, in sechs Arten) und eine
Gattung des Quastenflossers (Coelacanthiformes „Hohlstachler“), Latimeria, in zwei
Arten: Latimeria chalumnae und Latimeria menadoensis.
Ein interessantes Kapitel im Devon betrifft diese Fleischflosser, das heißt diejenigen unter ihnen,
die die Gelegenheit ergriffen und es schafften, terrestrische Ökosysteme zu erobern: Die Vierbeiner.
Sie entwickelten sich als so genannte „Landfische“, oder nach
Harms (1934)
zu „Lufttieren“, zu Landlebewesen, die sich optimal an das Leben auf dem Land angepasst haben.
Sie umfassen die heutigen Reptilien (Reptilia), Vögel (Aves) und Säugetiere (Mammalia).
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Foto links: Australischer Lungenfisch Neoceratodus forsteri (Krefft, 1870).
Er hat im Gegensatz zu amerikanischen und afrikanischen Lungenfischen sehr große, kräftige Schuppen.
Das Tier muss jede Stunde 2–3 Mal an die Oberfläche, um zu atmen. Im Gegensatz zu den anderen Arten
besitzt der Australische Lungenfisch nicht zwei, sondern nur eine sackförmige Lunge. Der
internationale Handel ist eingeschränkt (CITES II, seit 01.07.1975). Foto rechts: Protopterus
ornatipinnis Boulenger 1902 - Afrikanischer Lungenfisch (Protopterus [annectens] annectens), diese können sich bei
Trockenheit im Schlamm verkapseln und dort überdauern, was dem Australischen Lungenfisch nicht
möglich ist.
Bemerkung zum Foto rechts (10.05.2012): Schmuck-Flösselhecht (Polypterus ornatipinnis Boulenger 1902 ), auch Schmuckflössler genannt,
hier hat eine Namensverwechslung stattgefunden! Das Foto rechts zeigt Polypterus ornatipinnis und nicht
Protopterus (annectens) annectens. Ein Foto vom Afrikanischen Lungenfisch wird baldmöglichst eingestellt. Fotos: ©
Ralf Theuer, 2009
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Einige zuvor vorhandene anatomische und ökologische Eigenschaften von Vierbeinerformen
(Clack, 2002a),
im Zusammenspiel mit eigentümlichen Umweltbedingungen, die am Ende des Devon auftraten, ebneten den
Weg zur Landherrschaft der Wirbeltiere. Während des späten Devon waren die sich verändernden
Lebensräume bereits von mehreren Gruppen von Gliederfüßern und Gefäßpflanzen besiedelt. Deren
Eindringen führte zu verstärkten Ablagerungen von Feinsedimenten und zur Bildung tiefer organischer
Böden, und damit zu einem steilen Anstieg des Sauerstoffgehalts in der Erdatmosphäre
(Clack, 2002a).
Auch die Strahlenflosser passten sich an ökologische Nischen an und brachten viele aquatische
Lebensformen hervor. Nahezu jede aquatische Umgebung auf der Erde konnte von ihnen erobert werden.
Von 11.000 m tiefen ozeanischen Gräben (Familie: Brotuliden) bis ins Hochgebirge
(Salmo trutta „m.“ fario
Pinicka et al, 2002;
in ca. 1500 Höhe), in Wüsten (Cyprinodon nevadensis mionectes: Ash Meadows-Wüstenkärpfling;
Cyprinodon salinus salinus: Salt Creek-Wüstenfisch) mit Temperaturen von 0-45°C oder in der
Nähe von Geysiren auf Hawaii (Thermalquellen +43°C; z.B. Cyprinodon macularius), in schlammigen
Flachgewässern oder in Polarmeeren (bei >-1,8°C: Pagothenia borchgrevinki). Die Familie der
Eisfische (Channichthyidae) überlebt sogar noch bei minus 2,3°C!
Als wohl wichtigste Grundlage für amphibisches Leben wird oft die Fähigkeit, Luft zu atmen,
betrachtet (bzw. “bimodales Atmen”:
Graham, 1997).
Dutzende Male haben sich Elemente dieser Gruppe unabhängig voneinander weiterentwickelt.
Graham
(1997) hat berechnet, dass mehr als 400 aktuell existierende Strahlenflosser aus 45 verschiedenen
Familien Luft atmen können. Siehe hierzu:
The Incredible Story of Air-breathing Fishes
(Die Unglaubliche Geschichte von Luft atmenden Fischen).
Der gobiide Urahn aller Schlammspringer (Oxudercinae) lebte permanent im Wasser.
Die betroffenen Strukturen unterscheiden sich in Innereien, Kiemenkammern, Haut, oder Schwimmblase
(Graham & Lee, 2004;
Graham, 1997).
Dennoch ist nur ein Bruchteil dieser Arten zu komplexem amphibischem Verhalten fähig.
Über die selektiven Zwänge, die Wirbeltiere zum Wasser-Luft Übergang bewegten, und die
Umweltbedingungen, unter denen dieser schrittweise Entwicklungsprozess stattfand, wird
leidenschaftlich gestritten und viel spekuliert. Paläonthologische Daten sind immer noch sehr
bruchstückhaft
(Clack, 2002a).
Gleichwohl gehen einige Studien davon aus, dass der Vorgang in den periodisch überschwemmten
alluvischen Ebenen (Alluvium ist eine veraltete Bezeichnung eines Erdzeitalters), und/oder im
salzhaltigen Marschland der Gezeitenzonen vonstattengegangen ist, also Umgebungen sehr ähnlich denen,
wie sie von Schlammspringern besiedelt werden
(Clack, 2002a;
Schultze, 1999).
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1.1. Romer-Lücke (Romer's Gap)
Nach dem Oberdevon gibt es eine markante Lücke im Mississippium (Unterkarbon) und bis vor Kurzem gab
es keine Fossilienfunde. Über 15 bis 20 Millionen Jahre, je nach Literatur, erstreckt sich dieser
Zeitraum, der nach dem Wirbeltierpaläontologen Alfred Sherwood Romer als „Romer-Lücke“ („Romer's Gap“)
benannt ist und gängig als solche bezeichnet wird. Bis zur Entdeckung der Gattung Pederpes – die neu
beschriebene Art wurde Pederpes finneyae getauft. Laut der britischen Wissenschaftlerin Jenny Clack
(Clack, 2002b)
fällt sie in diese Lücke. Das Interessante an diesem Fossil ist, dass es bereits 1971
im schottischen Dumbarton entdeckt wurde und zunächst als ein Fisch eingestuft worden war, und in
der Folgezeit lange Zeit unbeachtet im Regal lagerte.
Das plumpe, knapp ein Meter lange, krokodilartige Wesen bewegte sich mit seinen Fußansätzen schon an
Land, musste aber, so die weit verbreitete Meinung, zur Fortpflanzung wieder ins Wasser zurück.
In der zweiten Stufe des Mississippium, im Viséum, folgte dann eine derartige Fülle an
Versteinerungen von sehr verschiedenen Tetrapoden. Darunter wurden auch eindeutig an Land
lebende Individuen entdeckt. Das Leben reichte von mausgroßen und zart gebauten Tieren wie Casineria
bis zu großen, räuberisch lebenden Arten wie Crassigyrinus, und schlangenförmigen beinlosen
Tiere wie die Aïstopoda. |
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Bild oben: Die Romer-Lücke: Überblick über die stratigraphischen Positionen der
paläozoischen Tetrapoden. Die Romer-Lücke ist weiß hervorgehoben. Die Verwandtschaftsverhältnisse
können kaum bestimmt werden. Es gibt für keine Gruppe einen Konsens über die genauen
Verwandtschaftsbeziehungen. Zudem sind unter den ältesten karbonischen Fossilien auch ausgesprochen
abgeleitete Formen. Schließlich sind auch die Verbindungen zu den heutigen Amphibiengruppen unklar.
Alles gleicht einem riesigem Puzzlespiel mit nur wenigen einzeln vorhandenen Teilen, viele müssen
noch gefunden werden - oder lagern irgendwo in musealen Kellerregalen (nach
Carroll, 1993).
Bild: © Ralf Theuer, 2009 |
2. Evolutionsbiologie
„Jedem, der sich ein wenig in Evolutionsbiologie auskennt, dürfte das „Paar“ Eusthenopteron
(„Noch-Fisch“) – Ichthyostega („Bereits-Amphib“, „Uramphib“) als Standard-Lehrbuchbeispiel begegnet
sein“ (vgl. Abb. 1)
( Junker, 2004).
„Der Schritt vom Wasser ans Land gehört wohl zu den bekanntesten Beispielen für mutmaßliche
evolutionäre Übergänge. Evolutionär gesehen muss dieser Schritt vielfach erfolgt sein, bei Pflanzen,
bei wirbellosen Tieren wie z. B. den Gliederfüßern und bei den Wirbeltieren (Tiere mit Innenskelett
und einer Wirbelsäule). Bei den Wirbeltieren ist der Schritt an Land vereinfacht als Übergang vom
Fisch zum Amphib bekannt“
( Junker, 2004).
2.1. Tetrapoden (Vierbeiner)
„Die landlebenden Wirbeltiere werden als Tetrapoden (= Vierbeiner) bezeichnet. Die vier
Extremitäten (Gliedmaßen) weisen einen charakteristischen Skelettbau auf: Mit dem Schultergürtel ist
der Oberarm- bzw. Oberschenkelknochen ( Humerus bzw. Femur) gelenkig verbunden, dann folgen ein
Knochenpaar ( Ulna und Radius bzw. Tibia und Fibula) sowie Hand- bzw.
Fußwurzelknochen und Finger- bzw. Zehenknochen ( Phalangen)“ ( Abb. 4)
( Junker, 2004).
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Abb. 1: Der berühmte Fisch-Amphib-Übergang vom Fleischflosser
(Quastenflosser) Eusthenopteron zum "Uramphib" Ichthyostega.Eusthenopteron kann allerdings nur
teilweise modellhaft als Vorläuferorganismus gelten. Als direkter Tetrapodenvorläufer ist er ungeeignet, da er
durch seine Schwanzflosse als Bewohner des offenen Wassers ausgezeichnet ist.
Quelle: Junker, 2004
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3. Quastenflosser (Coelacanthimorpha)
Bereits vor 377 Millionen Jahren, im Oberen Devon, so ist unser Wissen momentan, verließ einer
der ersten Fische das Wasser, der Quastenflosser; Eusthenopteron (ausgestorbene Klasse der
Fleischflosser: Sarcopterygii). Verbreitet waren die Tiere von Nordamerika bis Europa.
Aus einer Art des Quastenflossers, der sich im Süßwasser aufhielt, entwickelte sich das erste
Landwirbeltier (Tetrapoda). Da die vergangenen Arten des Quastenflossers die ersten waren, die
primitive Lungen entwickelten, konnte er kurze Strecken über Land kriechen.
Daher wird der Quastenflosser, wie auch der Lungenfisch, in der Paläontologie vielfach als Vorfahre,
als Bindeglied (Brückentier), vom Fisch zum ersten Landwirbeltier angesehen
(Thomson, 1993;
Fricke, 2007)
- zumindest bis zu dem Zeitpunkt, an dem handfeste Beweise in Form von Fossilien gefunden
werden, die in eine andere evolutionäre Richtung weisen, als wir heute als am wahrscheinlichsten
betrachten. Die Lücken in der Entwicklung der Landwirbeltiere könnten irgendwann geschlossen werden,
oder es könnten sich gar neue Splittungen ergeben.
Aktuell sieht es allerdings nicht danach aus, als sei in diesem Bereich in absehbarer Zeit ein
Erkenntnisdurchbruch zu erzielen. Die Verbindungsstücke, die diese Lücken zwischen den einzelnen
Gattungen ausfüllen könnten, fehlen noch (siehe Abb. 2). Aus dieser Zeit sind sehr gute
Fossilienfunde nur von denn Gattungen Acanthostega, Eusthenopteron, Ichthyostega
und Panderichthys erhalten geblieben.
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Abb. 2: Stratigraphischer Überblick über frühe
Tetrapoden und ihre mutmaßlichen Fischvorläufer. Dicke Linien = Bereiche der Fossilüberlieferung.
(Clack, 2002a)
Quelle: Junker, 2004
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Eine relativ neu entdeckte Art ist
Tiktaalik roseae
( Daeschler et al, 2006).
Im Norden von Kanada hat man erste Fossilien gefunden, momentan ist Tiktaalik roseae die einzige Art
der Gattung, die entdeckt und beschrieben wurde.
Man hält sie für den Vorläufer von Acanthostega und Ichthyostega, der in Flachwasserbereichen von
Flussdeltas lebte. Hier konnte eine weitere kleine Lücke in der Evolutionsgeschichte der
Vierbeinerformen ausgefüllt werden. Tiktaalik („ großer Flachwasserfisch“) war ein
Fleischflosser ( Sarcopterygii) und konnte sich nur mit seinen armartigen Brustflossen auf dem
Gewässergrund abstützen
( Shubin et al, 2006).
Mit seinen Vorderflossen war es ihm möglich, unter der Wasseroberfläche am Grund seines Lebensraumes
zu „ laufen“.
Der Quastenflosser galt bis 1938 als ausgestorben, wurde aber in jenem Jahr als noch existent
erkannt. Am 22.12.1938 erhielt Miss Latimer, die Leiterin eines kleinen Museums an der südafrikanischen
Küste, von Fischern einen seltsamen Fang. Ihre rohe Skizze, die sie an Professor J.L.B. Smith, einen
Fischkundler, schickte, löste eine zoologische Sensation sowie eine steckbriefliche Suche nach
weiteren Exemplaren aus, die erst Jahre später von Erfolg gekrönt wurde. Der gefangene Fisch erwies
sich als Quastenflosser und damit als lebende Art einer altertümlichen Fischgruppe, die fossil aus
dem Zeitraum zwischen 400 und 70 Millionen Jahre vor unserer Zeit bekannt ist.
Quastenflosser sind stammesgeschichtlich von großer Bedeutung: Aus einem Süßwasser bewohnenden
Entwicklungszweig haben sich vor ungefähr 350 Millionen Jahren die ersten Landwirbeltiere entwickelt.
Latimeria gehört allerdings zu einer anderen Gruppe, die überwiegend dem Leben im Meer angepasst ist.
Diese Art lebt an den steilen Hängen der Komoren in Wassertiefen vom 90 – 800 m
( Schmid, 1995).
Professor J. L. B. Smith beschrieb diese Art zu ehren Miss Latimer als Latimeria chalumnae
Smith, 1939
( Weinberg, 1999),
später auch bekannt unter dem Namen Komoren-Quastenflosser.
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Mit freundlicher Erlaubnis: SMNS (Staatliches Museum für Naturkunde). Schloss
Rosenstein in Stuttgart. Das Foto zeigt einen hochwertigen Abguss eines Quastenflossers (Latimeria) – ein
lebendes Fossil. Foto: © R. Harling |
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Im Januar 1987 gelang es Hans Fricke und Jürgen Schauer mit dem Tauchboot "GEO"
vor den Komoren das "schwimmende Fossil" Latimeria chalumnae zu fotografieren und zu filmen -
in Vulkanhöhlen 198 Meter unter dem Meeresspiegel.
Im September 1997 und 1998 gab es eine erneute Sensation um den Quastenflosser, als auf dem
Fischmarkt von Manado Tua (Sulawesi) in Indonesien, tote Quastenflosser von dem kalifornischen
Meeresbiologen Mark Erdmann und seine Frau Arnaz entdeckt und als solche identifiziert wurden,
rund 10.000 Kilometer von den Komoren entfernt.
Im Jahr darauf fand Fricke dort auch lebende Quastenflosser, die als Latimeria menadoensis
(Manado-Quastenflosser) bezeichnet werden
( Fricke, 1998).
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Ein weiteres Beispiel der Entwicklung vom Fisch zum Vierbeiner.
Die Abbildung zeigt die Entwicklung der Oberarm-, Unterarm- sowie Handknochen in der Evolutionslinie
der Tetrapoden. Der neue Fund ist als ANSP 23150 angezeigt.
Quelle: © Clack, J. A. 2004
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3.1. Das Erste Amphibium
Weitere Schritte an Land unternahm, vor mehr als 380 Millionen Jahren (Oberes Devon), das erste
Amphibium, der Ichthyostega. Zeitweise war es dem Tier möglich, an Land zu leben, es musste jedoch
in regelmäßigen Abständen zurück ins Wasser. Erste und einzige Fossilienfunde stammen aus Grönland.
Der Ichthyostega, zu deutsch „ Fischschädellurch“, gehört zu der Gattung der Vierfüßer ( Tetrapoden)
und gilt somit als erstes Glied einer langen Evolutionskette der Landwirbeltiere ( Tetrapoda) als
Amphib (Lurche oder Amphibien).
4. Umbauten
„Bei einem Übergang von Fischen zu Vierbeinern müssen tief greifende Veränderungen erfolgt sein
( Abb. 3; vgl.
Clack, 2002a;
Carroll, 1993):
Betroffen sind u.a. das Tragen des Körpers (die Kräfteverhältnisse sind auf dem Land ganz anders als
im Wasser, mit Folgen für die Wirbelsäule und die Extremitäten), die Fortbewegungsweise
(Extremitäten mit neuer Funktion: die Fortbewegung steht statt der Steuerung im Vordergrund), die
Ausbildung eines Halses zur besseren Beweglichkeit des Kopfes (mit Folgen für Schultergürtel,
Verbindung Kopf-Wirbelsäule, Muskulatur), der Bau des
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Abb. 3: Skelett eines Fisches ähnlich Eusthenopteron im Vergleich mit
einem Tetrapoden wie Dendrerpeton. Die größeren Unterschiede sind beschriftet.
(Clack, 2002a)
Quelle: Junker, 2004
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Schädels (der Kopf muss stabil sein, während
im Wasser gelenkige Verbindungen von Schädelteilen wichtig für Kiemenatmung sind), Nahrungsaufnahme,
Atmung, Wasserhaushalt, Sinnesorgane (z. B. Schallübertragung, Augen: Anderer Brechungsindex) und
Fortpflanzung“. „Evolutionstheoretisch kann ein solcher Vorgang nur schrittweise erfolgen. Dabei
muss bedacht werden, dass die einzelnen Organsysteme und Fähigkeiten mehr oder weniger stark
miteinander zusammenhängen“
( Clack, 2002a,
nach Junker, 2004).
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Abb. 4: Tetrapoden-Extremität von Ichthyostega
mit 7 Fingern.
(Clack, 2002a)
Quelle:
Junker, 2004 |
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Die Zahl der Finger und Zehen eines Ichthyostega wird heute meistens mit sieben
angegeben. Der Experte E. Jarvik ist jedoch der Auffassung, dass diese Zahl auf einer Fehldeutung
des fossilen Befundes beruht und hält Ichthyostega für fünfzehig.
Nur die Hinterfüße sind fossil
überliefert; sie sind paddelförmig gebaut. Der Besitz der typischen Tetrapodenextremität macht
Ichthyostega zu einem Amphibium, die genaue Lebensweise ist jedoch auf Grund eigenartiger Merkmale
wie dem auffällig starren Brustkorb noch nicht geklärt
( Jarvik, E., 1996).
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5. Tetrapodenähnliche Fische
„ Panderichthys ( Abb. 5). Diese Gattung gilt als tetrapodenähnlichster Fisch, der den
Vierbeinern in einigen Merkmalen näher steht als Eusthenopteron ( Abb. 1, 5) und in dieser
Hinsicht die Kluft zwischen Fischen und Vierbeinern verkürzt“.
„Allerdings weist dieser Fisch auch Merkmale auf, die ihn entfernter von den Tetrapoden als
Eusthenopteron stellen (s. u.). Panderichthys war über 1 m lang und hatte einen ca.
30 cm langen Schädel; der Schädel war abgeflacht und die Schnauze ziemlich ausgezogen; die Augen
lagen ziemlich nahe beieinander und relativ weit hinten. Das Schädeldach war stabiler als bei anderen
Fisch-Gattungen". "Damit erweckt der Schädel einen tetrapodenartigen Eindruck
( Clack, 2002a;
Janvier, 1996)".
"Daneben gibt es aber auch einzigartige Merkmale im Schädel, und
insgesamt ist die Ähnlichkeit des Schädels mit Eusthenopteron ziemlich groß
( Ahlberg et al., 1996)“.
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Abb. 5: Von Eusthenopteron zu Panderichthys aus dem unteren Oberdevon
ist ein deutlicher Sprung zu verzeichnen.
(Clack, 2002a)
Quelle: Junker, 2004
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„Dem Kiefer fehlen eindeutige Tetrapoden-Merkmale; er ist im wesentlichen Osteolepiformentypisch
( Ahlberg & Clack, 1998).
Der Hirnschädel weist – anders als das Schädeldach – keines der abgeleiteten
Merkmale der oberdevonischen Tetrapoden auf, sondern ist mit dem von Eusthenopteron fast identisch
und besitzt ein fischtypisches intrakraniales Gelenk; im Vergleich zum frühen Tetrapoden
Acanthostega gibt es tiefgehende Unterschiede
( Ahlberg et al., 1996; p. 61).
Auffallend ist das Fehlen von Dorsal- und Analflosse. Diese Flossen sind abrupt spurlos verschwunden.
Die paarigen Flossen (Abb. 5, 6) zeigen keine charakteristischen Merkmale von Landwirbeltieren
( Carroll, 1996; p. 19)“.
„Die Skelettelemente der Flossen sind breit und abgeflacht; eine Besonderheit
ist die Verschmelzung der distalen (körperfernen) Elemente in der Brustflosse zu einer Platte
( Worobjewa, 1974/75;
Clack, 2002a; p. 43).
Die Flossen von Panderichthys sind also weniger tetrapodenähnlich als die von Eusthenopteron
( Clack, 2002a;
Janvier, 1996). Der Trend geht
also in die entgegengesetzte Richtung statt hin zur Ausprägung Richtung Tetrapoden
( Janvier, 1996; p. 270)“.
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Abb. 6: Vorderextremitäten von Eusthenopteron (links),
Panderichthys (Mitte) und Hinterextremität von Acanthostega (rechts).
(Clack, 2002a)
Quelle: Junker, 2004
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„Der Humerus weist dagegen einige tetrapodenartige Merkmale auf und ist fast perfekt intermediär
zwischen Eusthenopteron und Acanthostega. Insgesamt aber erscheint die Extremität als
Mosaikform, die nicht in eine Übergangsstellung zwischen Eusthenopteron und Acanthostega
passt“. „Die verlängerte Schwanzflosse wiederum gleicht dem Schwanz der frühen Tetrapoden Ichthyostega
und Acanthostega
( Clack, 2002a).
Diese beiden Gattungen waren nach heutiger Kenntnis aber hauptsächlich
oder sogar ausschließlich wasserlebend, so dass die Tetrapodenähnlichkeit des Schwanzes von
Panderichthys evolutionär in Bezug auf den Übergang ans Land wenig aussagekräftig ist.
Die Wirbel der Panderichthyiden sind schwach
( Vorobyeva
& Schultze, 1991; p. 91), ihre Konstruktion ist nach
Ahlberg
& Milner, 1994 (p. 508) einzigartig, was sie aus der Stammlinie der Tetrapoden ausschließe“
( Junker, 2004).
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Anmerkungen:
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Sekundär können die Gliedmaßen allerdings ganz oder teilweise reduziert sein
(z. B. Blindschleichen, die taxonomisch dennoch zu den Eidechsen = „Vierbeinern“ gerechnet werden).
Auch die Vögel werden in diesem Sinne als „Vierbeiner“ betrachtet, auch wenn die Vorderextremitäten
als Flügel ausgebildet sind
(Junker, 2004).
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Das Extremitätenskelett der Tetrapoden könnte eher von einem langen Skelett wie
bei den Lungenfischen als von einem Skelett wie bei Osteolepiformen und Panderichthyiden abgeleitet
werden. „The dilemma is thus that which from other characters, appear to be more closely related to
the tetrapods than the dipnomorphs. … At the moment, the question of the origin of the tetrapod
limb is merely the question of whether the hand and foot are unique to tetrapods or have homologues
in fishes, and it is unanswered“
(Janvier, 1996;
nach Junker, 2004).
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